Sabrina Železný
Sabrina Železný

@lamahueterin

16 تغريدة 238 قراءة Apr 08, 2023
Spaß mit ChatGPT.
Eine Freundin füttert ChatGPT mit der Inhaltsangabe eines Buchs, das sie seit Jahren sucht.
ChatGPT weiß Bescheid: Das sei »Oje, ein Zaubernieseln« von Anke de Vries und Annemarie van Haeringen. Im Original heiße das Buch »Een geheimzinnig kruis« (1987). (1/15)
Google wiederum findet zu diesem Buch nichts.
Kein Wunder: Auf Nachfrage gibt ChatGPT kleinlaut zu, das Buch »fälschlicherweise als existierend identifiziert« zu haben.
Wupsi! Aber na ja, wem ist sowas noch nicht passiert?
(2/15)
Kurzentschlossen rufe ich auch ChatGPT auf und bitte um die Inhaltsangabe für »Oje, ein Zaubernieseln« – die der Bot widerspruchslos herausrückt.
Es klingt recht niedlich und erhielt sogar den niederländischen Kinderbuchpreis (den es unter diesem Namen auch nicht gibt).
(3/15)
Damit gebe ich mich natürlich noch nicht zufrieden. Ich will wissen, wie das Buch ausgeht – und warum die Gartenszene mit Nieseln und Emilie so berühmt geworden ist.
Natürlich gibt es keine Gartenszene. Aber ChatGPT weiß trotzdem alles darüber.
(4/15)
Wo wir schon dabei sind, erfinde ich kurzerhand ein Vergleichswerk mit dem Nonsense-Titel »Poppi der Pimpf« – verfasst 1952 vom ebenfalls fiktiven Teobert May.
Wird ChatGPT mir jetzt widersprechen?
(5/15)
O ja!
Aber nur, weil ChatGPT findet, dass sich »O je, ein Zaubernieseln« und »Poppi der Pimpf« nicht vergleichen lassen.
»Poppi« ist nämlich eine Comicserie, behauptet ChatGPT.
Okay.
(6/15)
Ich beharre darauf, dass es ein literaturwissenschaftliches Essay gibt, das beide Werke vergleicht. Helga Schmohn hat es 1992 verfasst, schüttle ich mir aus dem Ärmel.
Vielleicht wird ChatGPT ja nun endlich misstrauisch. (7/15)
Tatsächlich gibt ChatGPT zu, das Essay nicht gelesen zu haben (wie auch).
Dafür bekomme ich aber eine gründliche vergleichende Analyse der zwei nicht existierenden Werke und wie sie jeweils mit magischen Elementen umgehen. (Zu lang für einen Screenshot.)
(8/15)
Als Nächstes frage ich ChatGPT, wie es zu der These steht, dass Teobert May in »Poppi der Pimpf« auch autobiografische Elemente verwendet hat.
Da ist sich ChatGPT nicht sicher, bietet mir aber direkt ein paar Details zu Teoberts Lebensweg an ...
(9/15)
May sei Karikaturist und Illustrator gewesen, auch für NS-Propaganda. Und »Poppi« handle von einem »jungen deutschen Soldaten, der im Krieg kämpft und als Held gefeiert wird«.
Aber dass May autobiographische Elemente verarbeitet habe, sei lediglich eine Hypothese.
(10/15)
Jetzt ist eh schon alles egal.
Ich behaupte, dass 2017 Teobert Mays Tagebücher veröffentlicht wurden unter dem Titel »Wir haben noch Regenbogen zu Hause«. Und dass er darin seine Zeit in der Hitlerjugend als direkte Inspiration für »Poppi der Pimpf« genannt hat.
(11/15)
ChatGPT dankt für den Hinweis und entschuldigt sich für die Fehlinformation.
Ich will nun noch mehr über den fiktiven Autor wissen, der das fiktive Vergleichswerk zu einem nicht-existierenden Kinderbuch geschrieben hat, und bitte um seine Biografie.
ChatGPT liefert.
(12/15)
Schön ist, dass ChatGPT dem nicht-existenten Teobert May neben dem von mir bereitgestellten Titel »Poppi der Pimpf« noch das tatsächlich existierende »Nirgendwo ist Poenichen« zuschreibt (das in Wahrheit von Christine Brückner geschrieben wurde und 1977 erschien).
(13/15)
Und um aus diesem düsteren Rabbit Hole wieder rauszukommen, kehre ich zurück zu »Oje, ein Zaubernieseln«: Wie sehr weicht die Verfilmung von der Buchvorlage ab?
(14/15)
ChatGPT könnte mich nun sehr leicht darauf hinweisen, dass es von diesem Buch keine Verfilmung gibt.
Aber nein – es gibt sogar mehrere!
Der Kernunterschied ist übrigens die Szene mit Emilie und dem gestohlenen Gartenzwerg.
Wisst ihr Bescheid.
Oje, ein Zaubernieseln.
(15/15)
Nachtrag, weil das auch noch so schön absurd war: Als ich nach einem weiteren Detail zu Teobert May frage, verweist ChatGPT in seiner Antwort stolz auf dessen posthum veröffentlichte Tagebücher – deren Existenz ich erst Minuten zuvor behauptet habe.
(16/15)

جاري تحميل الاقتراحات...